Alles nur Kopfsache

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Up & Down – so entscheidend ist der Kopf

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 17.09.2018

Über acht Stunden extreme Belastungen für den Körper. Eigentlich nicht zu schaffen. Wenn es da nicht den Willen gäbe. Eisern, stark, stoisch! Ohne mentale Stärke geht nichts im Triathlon – und auf Hawaii sowieso nicht. Ab einen gewissen Zeitpunkt heißt es: Einfach weitermachen, auf sich fokussieren und seine Ziele verfolgen.

„Der Ironman wird im Kopf entschieden!“ Patrick Lange

Hartes Training und ein körperlicher Topzustand sind natürlich die Basis für einen Triumph. Doch im Rennen kommt jeder Triathlet mindestens einmal an den Punkt, wo der Körper eigentlich nicht mehr kann. Jetzt entscheidet es sich! Aufgeben oder durchhalten. Patrick Lange ist ein Meister der letzten Kilometer. Da, wo es richtig weh tut und viele Athleten an ihre physischen und psychischen Grenzen stoßen. Voraussetzung: gute Vorbereitung, gezieltes Training und eine gesunde Selbsteinschätzung. „Topprofis sind sich der eigenen Stärke bewusst. Wenn man weiß, was man kann, pusht einen das enorm“, erklärt der Sportpsychologe Markus Flemming. Er war selbst Spitzensportler, hütete über Jahre hinweg das Tor von großen Eishockeyvereinen. Als Diplom-Sportpsychologe hat er sich nach seiner aktiven Karriere auf Coaching spezialisiert.

„Die Konzentration auf die eigenen Gedanken ist während eines Wettkampfes sehr wichtig. In den Körper hineinhorchen, sich selbst immer wieder motivieren und sich klar machen, was zu tun ist“ Markus Flemming

Think positive

Eigenmotivation alleine reicht jedoch nicht immer. Es ist die Kombination aus klarem, zielorientierten Denken und das Bewusstsein für die Wettkampfsituation. Und natürlich positiv bleiben – klingt banal, ist es aber nicht. Negative Emotionen bewirken negative Leistungen. Das müssen keine mittelschweren Katastrophen wie Verletzungen, Zeitstrafen oder Materialpannen sein. Bereits Müdigkeit oder schwindende Kräfte können den Glauben an sich schwächen. Passiert das, wird das Aufgeben immer attraktiver. „Gewinnen negative Empfindungen die Überhand, kann es in einer Art ‚Fluchtinstinkt‘ enden. Aber nicht im Sinne eines schnelleren Laufens, sondern der Wunsch der Situation zu entkommen wird immer stärker“, so Markus Flemming. Auch Patrick kennt das natürlich. Sein Sieg 2017 stand beim Radfahren sprichwörtlich auf wackligen Beinen: „Ich wollte aussteigen, weil ich richtig scheiß Beine hatte.“ Ist er aber zum Glück nicht. Der weitere Verlauf ist bekannt. Patrick Lange zündete auf der Laufstrecke den Turbo. Gezielt trainiert hat er dafür noch nicht. Er weiß instinktiv von seinen Stärken, hat ein Gespür für das Rennen. Dennoch ist gerade im Profisport Mentaltraining sehr gefragt. Ganze Expertenteams aus Sportpsychologen, Physiotherapeuten und Trainern betreuen die Athleten. Das Ziel: positives Denken, Zielorientierung, Bewusstmachen der eigenen Stärke. Ebenfalls bewährt: Wettkampfsituation vorstellen, den Erfolg visualisieren, aber auch bewusst entspannen. Generell braucht es die Balance aus Anspannung und Entspannung. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Auch wenn sich Markus Flemming und Patrick Lange noch nie getroffen haben, sind sie sich einig: Ein leichtes Kribbeln, die Vorwettkampfnervosität, ist nicht nur normal, sondern sogar leistungssteigernd.

Arousal-Level

Der Begriff Arousal bezeichnet den allgemeinen Aktivierungsgrad des zentralen Nervensystems. Ausschlaggebend sind Wachheit, Wachsamkeit, erhöhte Reaktionsbereitschaft oder Aufmerksamkeit. Während im Schlaf das Arousal-Level naturgemäß gering ist, steigt das Arousal-Level bei Angst, Kampfsituationen oder vor einem sportlichen Wettkampf.

Sich vor einem Wettkampf einreden zu wollen, nicht nervös zu sein, ist also nahezu unmöglich und sogar kontraproduktiv.

Titelverteidigung – Druck oder Ansporn?

Weder noch, sagt Markus Flemming. Der Sportpsychologe empfiehlt eine andere Sichtweise. „Das Wort Titelverteidigung ist für mich nicht sinnvoll. Hinter dem Begriff Verteidigung steckt oft der Versuch, Erfolge kopieren und Fehler vermeiden zu wollen. Aber: Man hat ja bereits verdient gewonnen und jeder folgende Wettkampf ist wieder eine eigene, neue Herausforderung.“ Viel wichtiger: Selbstfokussierung. Äußerer Druck ist irrelevant. Nur die eigene Stärke zählt. Welche Leistung kann ich erbringen? So baut man Selbstvertrauen und Zielorientierung auf. Dass Patrick Lange dazu in der Lage ist, hat er 2017 eindrucksvoll bewiesen.

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