Fahrer-Bike-Setting

Fahrer-Bike-Setting

5 Tipps für mehr Aerodynamik auf dem Rad

Von Andreas Raelert
veröffentlicht: 15.05.2018

Im Kampf gegen die Uhr ist nicht unbedingt das Gewicht deines Rennrads entscheidend – auf einen möglichst geringen Luftwiderstand kommt es an. Ich habe 5 Tipps für dich zusammengestellt, wie du dein Fahrer-Bike-Setting verbessern und so deine Aerodynamik auf dem Rennrad optimieren kannst.

Warum Luft es dir ganz schön schwer machen kann

Der Luftwiderstand beim Radfahren entsteht durch Luftverwirbelungen: Um vorwärts zu kommen, musst du bei der Fahrt die Luft vor dir wegschieben. Ab einer Geschwindigkeit über 24 km/h ist der Luftwiderstand größer als der Rollwiderstand der Reifen. Deshalb wird das Radfahren ab dieser Geschwindigkeit immer anstrengender für dich. Wenn du zum Beispiel mit 32 km/h unterwegs bist, musst du praktisch fast 460 Kilo Luft pro Minute verschieben. Grundsätzlich gilt: Je stromlinienförmiger du auf dem Rad „liegst“, desto weniger Luft musst du verdrängen. Und um das zu erreichen, gibt es verschiedene Ansatzpunkte.

1. Möglichst tief, nicht zu gestreckt – die richtige Sitzposition auf dem Rad

Der Luftwiderstand macht einen Großteil des Fahrwiderstands aus. Drei Viertel des Luftwiderstands sind dir als Fahrer zuzuordnen. Dein Körper bietet dem Wind die größte Angriffsfläche. Daher liegt das größte Einsparpotenzial und somit die Grundvoraussetzung für ein verbessertes Fahrer-Bike-Setting in der richtigen Sitzposition.

Deine Sitzposition sollte möglichst tief sein, dich aber nicht in deiner Leistung einschränken.

Wenn du dich zu sehr streckst oder aber einknickst, kann das deine Verdauung und deine Atmung erschweren. Du kriegst nicht nur schneller Seitenstechen oder Schnappatmung sondern eventuell auch fiese Bauchschmerzen. Auch auf die Position des Sattels kommt es an: Ist er zu weit vorne, verlagert sich dein Gewicht auf das Vorderrad. Das kann sich negativ auf die Stabilität und somit auch auf das Fahrverhalten auswirken. Auch die Sattelhöhe solltest du im Zweifel mit einem Profi einstellen.

Eine optimale Kraftübertragung erreichst du, wenn deine Schenkel bei der maximalen Streckung einen Winkel von 150 Grad bilden.

Gleichzeitig sollten deine Arme die Haltung deines Oberkörpers unterstützen. Dabei hilft dir ein Aero-Lenker: Du kannst deine Unterarme in voller Länge ablegen, sodass sie sich fast im 90-Grad-Winkel zu deinen Oberarmen befinden. Das sorgt nicht nur für eine aerodynamische Position, sondern entlastet auch deinen Oberkörper – insbesondere deinen Rücken. So hältst du lange Strecken besser durch und kannst zum Beispiel im Triathlon deine Leistung beim anschließenden Lauf schmerzfrei abrufen.

Kraftübertragung
© Michael Rauschendorfer

2. Die richtigen Rahmenbedingungen schaffen

Wer nicht nur beim Lenker auf Aerodynamik setzen will, kann schon beim Rennrad-Kauf auf einen Aero-Rahmen achten. Er zeichnet sich durch ein aerodynamisches Profil, eine reduzierte Frontfläche und integrierte Anbauteile aus, um das Rennrad insgesamt windschnittiger zu machen.

Vor allem bei Seitenwind und Geschwindigkeiten über 40 km/h kann ein optimierter Carbon-Rahmen über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Aber auch bei Aero-Rahmen solltest du auf die klassischen Komponenten Steifigkeit, Gewicht, Komfort und Rahmengeometrie achten. Lass dich am besten beim Fachhändler beraten und dein Rad gleich auf deine Größe einstellen. Der Fachhändler wird die optimale Rahmenhöhe für deine Körpergröße berechnen.

3. Große Felgen, kleiner Widerstand

Eine weitere Möglichkeit zur aerodynamischen Optimierung sind Aero-Laufräder. Die richtigen Laufräder an deinem Rennrad können den sogenannten Segeleffekt maximieren: der Fahrwiderstand wird durch (Rücken-)Wind reduziert. Dieser Effekt tritt vor allem bei Hochprofil-Laufrädern und bei schnellen Geschwindigkeiten auf:

Je größer die Oberfläche deiner Felgen, desto geringer ist der Luftwiderstand des gesamten Laufrades.

Hochprofil-Laufräder sind allerdings etwas schwerer als niedrige Felgen und etwas weniger stabil bei starkem Seitenwind. Deshalb ist es wichtig, die Höhe deiner Felgen auf deine Ziele abzustimmen.

Bei den windigen Bedingungen auf Hawaii sind gute Aero-Laufräder für mich Gold wert.

4. Kleider machen Radler

Die einfachste Optimierung deiner Aerodynamik auf dem Rad erreichst du über deine Bekleidung. Während dich ein flatterndes Radtrikot wichtige Sekunden kosten kann, schonen spezielle, enganliegende Einteiler deine Kräfte und verringern den Luftwiderstand.

5. Mit dem Kopf durch den Wind

Dein Kopf, insbesondere deine Stirn, bietet dem Wind sehr viel Angriffsfläche. Ein spezieller Zeitfahrhelm kann dir zu einer besseren Aerodynamik verhelfen:

Dank seiner Form leitet der Zeitfahrhelm den Wind von allen Seiten gut um den Kopf herum und reduziert so den Widerstand.

Die Zeitfahrhelme haben einen weiteren Vorteil: Über Öffnungen und Leitelemente wird die „aufgenommene” Luft gezielt weitergeleitet, sodass der Luftwiderstand gesenkt und der Kopf gleichzeitig belüftet wird. Bei hohen Geschwindigkeiten kannst du mit dem richtigen Helm noch ein wenig schneller fahren. Lass dich dafür am besten von einem Experten beraten.

Fazit

Wie so oft sind auch bei der Aerodynamik auf dem Rad verschiedene Faktoren entscheidend. Wenn du diese Tipps umsetzt, kannst du im Idealfall zwischen 70 und 80 Watt sparen. Das bedeutet auf einer Distanz von 40 Kilometern eine Ersparnis von 6–10 Minuten! Mit der richtigen Ausstattung und Sitzposition kannst du dich also verbessern – aber keine Wunder vollbringen:

Das Fahrer-Bike-Setting weiter zu perfektionieren und auszubalancieren, ist auch für Profi-Sportler eine stetige Herausforderung.

Was Radfahren mit der Seele zu tun hat und alles Wissenswerte zum Radsport erfährst du auf unserer Themenseite.

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