Ich habe gestandene Profis weinen sehen

Ich habe gestandene Profis weinen sehen

Patrick Langes Trainer Faris Al-Sultan über den Mythos „Energy Lab“

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 13.09.2018

Jeder, der den Ironman Hawaii kennt, kennt das legendäre „Energy Lab“. Legenden ranken sich um diesen 7 km langen, berühmt-berüchtigten Rennabschnitt. Seinen Namen verdankt er einer Forschungsstation zur Nutzung von Meeresenergie, die den Wendepunkt auf der Marathonstrecke markiert.

Eine endlos scheinende Straße im Niemandsland, die Luft flimmert über dem heißen Asphalt. Nur schemenhaft sind weiter vorne laufende Konkurrenten zu sehen. Schlüsselstelle, Tal der Tränen und psychologischer Knackpunkt: Wer seinen großen Traum im Ziel auf dem Ali’i Drive verwirklichen will, muss hier bestehen. Hier wird über Sieg und Niederlage entschieden. Patrick Langes Trainer Faris Al-Sultan weiß genau, was in den Athleten vorgeht. Er gewann 2005 den Ironman Hawaii.

Faris Al-Sultan, die Straße zum Natural Energy Lab ist Kult – was macht den Mythos aus?

Es ist wahnsinnig heiß, die Lavafelder glühen. Im Rennverlauf befindet man sich bei Kilometer 25, wenn es sowieso hart wird. Vom Wendepunkt zurück sind etwa 30 Höhenmeter zu bewältigen, die sich anfühlen als müsste man auf die Zugspitze laufen. Außerdem gibt es keine Zuschauer. Das „Energy Lab“ ist ein echter Mythos.

Welche Gefühle haben Profi-Athleten auf diesem besonderen Teilstück?

Ich habe dort gestandene Triathlonprofis weinen sehen. Reicht das? 

Wie sind Ihre Erinnerungen an das Energy Lab?

Gott sei Dank habe ich fast alles vergessen. Eines weiß ich aber genau: Es war ganz sicher nicht lustig. 

Warum gilt das Energy Lab als die entscheidende Schlüsselstelle?

Es liegt distanzmäßig genau an der Stelle, wo sich bei einem Ironman-Rennen so vieles entscheidet. Dazu kommen die äußeren Sonderbedingungen. 

Befassen sich Athleten eigentlich mit Mythen und Legenden, die rund um das Energy Lab gesponnen werden?

Ja, selbstverständlich. Aber nur im Wettkampf kommt diese Mischung aus Hitze, Kohlenhydratmangel, Dehydrierung, Erschöpfung und Wettkampfdrama zusammen, die letztendlich den Mythos ergibt. Wenn man dort im Training rumläuft, ist es allerdings wenig mystisch. An einem Mittwochvormittag sind Fußballstadien auch äußerst unspektakuläre Orte. 

Wie stellt man sich auf die Monotonie des schwarzen Asphalts ein?

Gut in Form zu sein hilft schon sehr. Der Kopf spielt dabei eine große Rolle, aber natürlich sollte man auch im Training seine Hausaufgaben gemacht haben. 

Bereiten Sie Patrick im Training für das „Energy Lab“ anders vor?

Ohne es genau zu wissen: Ich schätze, dass Patrick auch im „Energy Lab“ eine der schnellsten Zeiten hingelegt hat, die dort je gelaufen wurden. Vor seinem hervorragenden dritten Platz 2016 haben wir über diese Schlüsselstelle gesprochen. Inzwischen kann er mir erklären, wie man dort schnell ist. 

Das „Energy Lab“ in Zahlen:

  • Gesamtlänge: 7 km
  • Höhenmeter: ca. 30
  • Streckenpunkt: bei km 25 der Marathonstrecke, nach 3,8 km Schwimmen und 180 km Radfahren
  • Temperaturen: bis zu 40° C

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