Laura Philipp über den Weg zur Langdistanz

Laura Philipp über den Weg zur Langdistanz

„Wenn du richtig erfolgreich sein willst, kommst du um Athletik-Training nicht herum“

Von Laura Philipp
veröffentlicht: 04.06.2018

Laura Philipp ist erfolgreiche Profi-Triathletin auf der Mitteldistanz: Die aktuelle Saison 2018 hat Laura mit drei (!) aufeinanderfolgenden Siegen beim IRONMAN 70.3 in Marbella, St. Pölten und im Kraichgau eröffnet. Als stärkste deutsche Athletin auf der Mitteldistanz haben ihre Leistungen ein Niveau erreicht, das sie zu noch Höherem treibt: Laura plant ihren ersten Triathlon auf der Langdistanz – also die doppelte Strecke im Wettkampf. Im Gespräch verrät sie, woher die Sehnsucht nach dem Neuen kommt und wie sich ihr Training für ihren Wunsch verändert hat.

Hallo Laura, neues Jahr – neue Ziele?

Ja! Es hat sich auf jeden Fall Einiges getan. 2017 war sehr erfolgreich für mich. Ehrgeizig wie ich bin, möchte ich gerne auf den Erfolgen aufbauen und mich jetzt an die Langdistanz wagen. Der ausschlaggebende Moment war für mich das Podium bei der WM 2017. Bevor ich die Distanz erhöhe, wollte ich zu den besten Athletinnen auf der 70.3-Strecke gehören. Mit meinem langjährigen, konstanten Training für die Mitteldistanz habe ich den Grundstein gelegt. Mit der Langdistanz in diesem Jahr geht es mir um eine neue, ganz persönliche Herausforderung.


Wo willst du dein Debüt auf der Triathlon-Langdistanz feiern?

Definitiv beim diesjährigen Ironman in Frankfurt. Ich glaube, dass das erste Rennen auf einer neuen Distanz etwas ganz Besonderes ist und möchte es deshalb gerne auf heimischem Boden machen. Die letzten zwei Jahre war ich Teamkapitänin einer Staffel für Mainova in Frankfurt, wo ich die Rennbedingungen testen und mir einen Eindruck verschaffen konnte. Ich bin absolut begeistert!


Wie hast du dein Training für die neue Saison angepasst? Oder trainierst du nach dem alten Plan, „nur“ intensiver?

Das wird Einige sicher wundern: Mein Training ist nicht intensiver geworden. Ich trainiere seit Dezember für die neue Saison und habe zusammen mit meinem Team gezielt an meinem Trainingsplan gefeilt. Die letzten Jahre Training waren im Grunde eine Art Unterbau für die Herausforderung, die jetzt kommt.

Anfang des Jahres habe ich erste Leistungsdiagnostiken machen lassen, die schon nach wenigen Wochen gezeigt haben, dass das Training sehr effektiv ist.

Natürlich ist das Ziel, dass ich mich in allen drei Disziplinen steigere, doch mein jetziger Trainingsblock fokussiert sich vor allem auf das Schwimmen und Radfahren. Meine Vorbereitung sieht somit etwas anders aus als bei den meisten Triathleten der Langdistanz.


Dein Trainingsplan ist also nicht intensiver, aber längere Distanzen bedeuten doch mindestens mehr Zeitaufwand. Wie vereinbarst du dein Privatleben damit?

Das ist eine große Herausforderung, der sich aber jeder Triathlet sowieso stellen muss. Drei Sportarten auf hohem Niveau zu betreiben kann sehr viel Platz im Leben einnehmen. Ich habe das Glück, dass mein Mann Philipp Seipp auch mein Trainer ist. Wir teilen die gleiche Leidenschaft und er unterstützt mich sehr. Man muss sich jedoch auch immer wieder vor Augen führen, dass ohne die Unterstützung von Familie und Team das Ganze nicht funktionieren würde. Deshalb versuche ich mir bewusst Freiräume und Zeiten zu schaffen, um diesen Menschen etwas zurückzugeben oder gemeinsame Zeit zu verbringen.


Du sagst, du trainierst momentan vor allem Schwimmen und Radfahren. Ist das nicht ungewohnt, nur zwei von drei Disziplinen zu fokussieren?

Natürlich ist es eine Umstellung, aber dadurch, dass ich beim Radfahren und Schwimmen genauso meine Kondition trainiere wie beim Laufen, leidet meine Ausdauer nicht. Meinem Coach geht es darum, dass ich mich darauf konzentriere, genügend Energie für den langen Tag bereitstellen zu können – und zwar in Renngeschwindigkeit. Laufen muss ich aber trotzdem noch. Meine Basisläufe mache ich deshalb meist früh morgens. Beim Radfahren geht es jetzt darum, mehr Beinmuskulatur aufzubauen und die Bewegungsmuster zu optimieren.

Die ästhetischen Bewegungen sind meistens gleichzeitig auch die ökonomischsten.


Sie bedeuten somit den geringsten Kraftaufwand für mich. Es geht also um effiziente Technik beim Radfahren. Manchmal verbringe ich bis zu 6 Stunden am Tag auf dem Rad. Diese Stunden teile ich meistens in bis zu drei Einheiten. Das Intervalltraining zielt auf die Entfaltung der bestmöglichen Dauerleistung ab. Dabei nehme ich den Verlust von anaerober Leistungsfähigkeit in Kauf. Mein klares Ziel ist eine konkurrenzfähige Radleistung.


Hast du denn bei dem intensiven Training für das Radfahren überhaupt noch Zeit für das Schwimmen?

Klar! Mein Trainingsplan ist auch zeitlich durchgetaktet. Als Profisportlerin konnte ich meine Tätigkeit als Physiotherapeutin glücklicherweise ruhen lassen und mich voll auf meine sportlichen Ziele konzentrieren. So bleibt auf jeden Fall noch Zeit für meine Schwimmeinheiten mit meinem Trainer Joschka Hladky, der mich einmal in der Woche am Beckenrand unterstützt.

Dazu kommt dann noch das Athletiktraining: Mein Coach Moh Ashtiani zeigt mir regelmäßig bei meinen Krafttrainingseinheiten, wo meine Limits sind und dass ich sie immer noch verschieben kann. Gerade legen wir besonderes Augenmerk auf die Rumpfmuskulatur. Das hilft mir, eine stabile Körperhaltung in allen drei Disziplinen auch über die doppelte Strecke zu halten. Athletiktraining ist ja eine Sache, die auch wir Profi-Triathleten gern mal etwas hinten anstellen, weil wir lieber schwimmen, radfahren und laufen. Aber wenn du richtig erfolgreich sein willst, kommst du nicht drum herum. Ich merke jeden Tag, was sich durch das Krafttraining verändert, vor allem auf dem Fahrrad. Am Ende geht es ja darum, Schnelligkeit, Technik und Kraft am Wettkampftag zusammenzubringen. Der Sprung von der Mittel- auf die Langdistanz bedeutet also sehr viel Training und ständige Konzentration. Ich bin mir aber sicher, dass es sich am Ende lohnen wird.

Laura Philipp Athletiktraining
© ERDINGER Alkoholfrei

Hat sich deine Ernährung an deinen neuen Trainingsplan angepasst?

Ich lebe nach keinem strikten Ernährungsplan, sondern esse was ich möchte und worauf ich Lust habe. Eine Besonderheit ist jedoch sicher, dass ich so gut es geht vegan lebe. Ich esse von Natur aus gerne frisch und bin der Meinung, dass man sich auch immer wieder etwas Süßes gönnen darf. Diese kleinen Belohnungen gehören zu meinem Alltag dazu und helfen mir, mich in Einheiten zu motivieren. Auch nach dem Training belohne ich mich gerne mit einem Stück Kuchen, Kaffee, einem guten Essen. Das ist etwas für die Seele. Meine Ernährung hat sich für die Langdistanz nicht verändert. Hinsichtlich des Wettkampfes wird es jedoch eine Herausforderung, genügend Energie für über 9 Stunden zuzuführen, ohne Verdauungsprobleme zu bekommen.


Kann das jeder schaffen? Von der Mittel- auf die Langdistanz zu wechseln?

Ich denke, wenn du schon Erfahrungen auf der Mitteldistanz gemacht hast, solltest du nicht vor der Langdistanz zurückschrecken. Es haben schon so viele unterschiedliche Leute einen Triathlon auf der Langdistanz geschafft. Wichtig ist, dass du viel Geduld, Durchhaltevermögen und Fitness mitbringst. Denn gerade für Amateure ist dieses Rennen kein Zuckerschlecken. Andererseits: Wenn du es schon bis zur Mitteldistanz geschafft hast, warum nicht mehr wollen?



Welche Tipps würdest du einem Sportler geben, der seine Wettkampfdistanz steigern will?

Ich würde jedem Triathlonbeginner dazu raten, nach der Reihenfolge der Distanzen zu gehen, sich hochzuarbeiten: Erstmal einen Sprint-Triathlon, im nächsten Jahr dann vielleicht eine Olympische Distanz und nach einem weiteren Jahr eine Mitteldistanz. Es kommt darauf an, welchen sportlichen Hintergrund der Einzelne mitbringt. Aber so ist gewährleistet, dass der Sportler sich mindestens ein Jahr Vorbereitung zugesteht. Nicht jeder wird das schaffen, aber das ist das absolute Minimum für Amateure. Direkt auf der Langdistanz zu starten, davon halte ich rein aus gesundheitlichen Gründen nichts. Man muss den Körper langsam an die steigenden Belastungen und Distanzen gewöhnen. Ich empfehle: Such dir einen Trainer. Der berät individuell und bereitet dementsprechend perfekt vor.

Vielen Dank Laura!

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