Marathon Extrem – zwischen Sucht und Passion

Marathon Extrem – zwischen Sucht und Passion

Dieser Extrem-Läufer bestreitet 2018 insgesamt 17 Ausdauerwettkämpfe

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 24.05.2018

Jens Kühn ist am 7. April 2018 seinen 50. Marathon in Südafrika gelaufen. Der „Two Oceans Marathon“ findet jedes Jahr entlang des Atlantischen Ozeans statt und ist mit 56 Kilometern eigentlich ein Ultramarathon an den warmen Winden der Kap-Halbinsel. Jens blieb unter sechs Stunden und gewann damit eine Bronzemedaille. Eine erstaunliche Leistung. Noch erstaunlicher: Jens läuft erst seit 2008 Marathon – jedoch mit steigender Frequenz. 2018 will er 17 Marathons (!) und andere Ausdauer-Wettbewerbe zwischen März und Oktober laufen: ein Marathon, Ultramarathon oder Triathlon alle zwei Wochen. Er läuft dabei insgesamt über 700 Kilometer, also etwa die Strecke von Bremen nach Paris. Seit November 2013 ist Jens Kühn Mitglied im Team ERDINGER Alkoholfrei. Wir hatten da einige Fragen…

Jens Kühn: Liste der Wettkämpfe 2018

  • 18.03.: Los Angeles Marathon
  • 31.03.: Two Oceans Südafrika (56 km)
  • 08.04.: Halbmarathon Berlin
  • 14.04.: Airport Night Run Berlin
  • 22.04.: Madrid Marathon
  • 05.05.: Sola Stafette in Zürich
  • 06.05.: S 25 in Berlin
  • 13.05.: Velothon Berlin (Radrennen)
  • 06.05.: X-Letics in Berlin
  • 03.06.: Berlin Triathlon
  • 01.07.: Swimrun Rheinsberg
  • 07.07.: Zermatt Ultramarathon
  • 14.07.: Hamburg Triathlon
  • 08.07.: City Night Berlin
  • 26.08.: Sport Scheck Run Berlin
  • 08.09.: Marathon du Médoc
  • 16.09.: Berlin Marathon

Jens, am 31. März 2018 warst du beim Two Oceans Marathon in Südafrika – deinem 50. Marathon! Herzlichen Glückwunsch vom ganzen Team ERDINGER Alkoholfrei! Wie war das für dich?

Ich hatte mir vorgenommen, den 50. Marathon an einem besonderen Ort zu laufen. Meine Nummer 49 – der Los Angeles Marathon – war zwei Wochen zuvor und schon seit Langem eingeplant. Eigentlich wäre der L.A.-Marathon gut für diese 50er-Marke geeignet gewesen. Dann bekam ich kurzfristig die Möglichkeit, für den Two Oceans, den ich bereits 2014 gelaufen bin, einen Freistart zu bekommen. Nach kurzem Prüfen des Termins und der verfügbaren Flüge nahm ich das Angebot an und dachte: Das ist perfekt. Dieser Lauf startet schon sehr emotional, wenn die Läufer a-capella die südafrikanische Nationalhymne singen. Der Veranstalter bezeichnet den „Two Oceans“ als „the world’s most beautiful marathon“ – und mit Sicherheit ist er einer der schönsten, die ich bisher gelaufen bin. Als ich dann knapp unter 6 Stunden gefinisht habe, dachte ich: Auf in die nächsten 50 Marathons!


Du nimmst dieses Jahr auch an zahlreichen Marathons in deiner Wahlheimat Berlin teil. Sind die etwas Besonderes für dich?

Der Berlin Marathon gehört fix in meine Jahresplanung. Es ist jedes Mal etwas Besonderes, mit vielen Lauf-Freunden diesen Marathon durch Berlin zu laufen. Natürlich tun auch die zahlreichen Freunde an der Strecke ihr Übriges. In der Stimmung auf und neben der Strecke ist der Marathon in Berlin kaum zu übertreffen. Deswegen: Ja, er ist etwas besonderes für mich und viele Andere.


Du bist 2018 auf drei Kontinenten unterwegs, wo hat das alles begonnen? Wie ist aus dir ein Ausdauersportler geworden?

2004 hatte ich meinen ersten Wettkampf – den „Sport Scheck Nachtlauf“ in Hannover. Vorher bin ich schon eine Weile gejoggt, meistens die 6-Kilometer-Strecke um den Maschsee in Hannover. Der erste Marathon war dann 2008, auch wieder in Hannover.

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Okay, sprechen wir über das große Fragezeichen im Raum: Warum läufst du so viele Marathons im Jahr?

Ich glaube, hier ist das Team ERDINGER Alkoholfrei ein wenig „Schuld“. Bei vielen Wettkämpfen sind mir die Läufer im Team ERDINGER Alkoholfrei Outfit aufgefallen. Als ich meine Startnummer für den Berlin Marathon 2012 abholte, habe ich bei der Teamlounge nachgefragt und bin dann Mitglied geworden. Ab meinem ersten Mitgliedsjahr bin ich durch die zur Verfügung gestellten Startplätze auf jede Menge Läufe in ganz Deutschland aufmerksam geworden. Die damalige ERDINGER Alkoholfrei Challenge hat dann meinen Ehrgeiz geweckt, möglichst viele Punkte zu sammeln.


Würdest du das als eine kleine „Sucht“ bezeichnen? Ein Hobby? Eine Berufung?

Es ist wohl beides: eine kleine Sucht und auch ein Hobby. Ich plane meinen Urlaub in der Regel rund um einen Lauf. Was viele überraschen dürfte: Der Lauf selbst ist oft gar nicht der Auslöser. Dafür muss man wissen, dass ich leidenschaftlich gerne reise und deswegen oft nach günstigen Flügen suche. Wenn ich ein gutes Flugangebot sehe, checke ich, ob es in dem Zeitraum einen interessanten Lauf gibt, schaue kurz in meinen Terminkalender und buche dann. Das muss dann meistens sehr schnell gehen.


Fühlt sich ein Marathon für dich noch besonders an, oder ist das inzwischen Routine?

Jeder Marathon ist eine neue Herausforderung. Und eigentlich kommt bei jedem Marathon auch der „Mann mit dem Hammer“. Nur weiß ich inzwischen ziemlich sicher, dass ich ihn besiegen kann. Das Tolle am Marathon ist: Nach einigen Kilometern konzentrieren sich meine Gedanken ganz auf den Lauf. Alles andere rückt in die Ferne, es geht nur ums Laufen – genießen, kämpfen und finishen.

Jeder Marathon ist eine neue Herausforderung
©Jens Kühn

Viele ambitionierte Hobby-Sportler, die deine faszinierende Geschichte lesen werden sich jetzt fragen: Wie trainiert Jens Kühn?

Ganz normal. Mein Training ist regelmäßiges Laufen. An den Wochenenden nehme ich an Longruns teil. Ich laufe regelmäßig mit meiner Laufgruppe. Und ich habe das Glück, dass eigentlich täglich ein Trainingslauf stattfindet. Durch die Vielzahl an Wettkämpfen ist es natürlich schwierig, sich konzentriert auf einen bestimmten Marathon vorzubereiten. Mein Ziel, mich für den Boston Marathon zu qualifizieren, wird aber mein Trainingsverhalten demnächst ändern. Ich werde mich auf diese Qualifikation gezielter vorbereiten.


Aber wie schaffst du das körperlich, sowohl die Wettkämpfe, als auch das viele Reisen? Musst du gar nicht regenerieren?

Ich merke in der Regel schon nach den ersten Kilometern, ob der Marathon mental härter wird oder nicht. Ich laufe die meisten Marathons nicht am Leistungslimit – sonst benötige ich eine zu lange Regeneration, wie alle anderen Sportler auch. Dafür ist einfach keine Zeit. So kann ich in den meisten Fällen schon drei Tage nach einem Marathon wieder laufen, wenn auch nur ein paar Kilometer in langsamen Tempo. Zum Glück kann ich im Flugzeug immer sehr gut schlafen – mit Reisekissen, Augenklappe und Ohrstöpseln.


Wie vereinst du Sport, Familie und Beruf bei so viel Laufen?

Ich hatte bisher das Glück, dass ich beruflich sehr flexibel bin. Ich kann meinen Urlaub nach den Läufen richten, an denen ich teilnehmen möchte. Teilweise konnte ich aber auch berufliche Reisen mit Läufen zusammenlegen. Meine Familie ist selbst sehr sportverrückt. Viele Freunde konnte ich schon mit meinem „Laufvirus“ infizieren. Natürlich habe ich meinen Freundeskreis durch das Laufen erweitert – einfach durch die viele Zeit, die ich mit Laufen verbringe.


Ist das ständige Hin- und Herreisen nicht lästig?

Da ich gerne neue Orte kennenlerne oder in Städte wiederkehre, in denen ich gerne gewesen bin, freue ich mich meistens auf die Reise. Außerdem verbinde ich mit den meisten Reisen auch den Besuch von Freunden in den jeweiligen Städten.


Wie sieht deine Ernährung aus? Ist sie anders als bei anderen Läufern?

Ich ernähre mich ganz normal: viel frisches Gemüse und Obst. Ich koche meist selbst – da mache ich nicht einmal einen Unterschied zwischen Vorbereitung und „normalem“ Essen.

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Hast du noch einen „inneren Schweinehund“?

Ja, natürlich. Einerseits beim Training früh vor der Arbeit oder bei Regen. Aber da ich sehr viel mit meiner Laufgruppe trainiere, bleibt mir ja gar nichts anderes übrig, als loszulaufen. Ansonsten müsste ich mir schon eine gute Entschuldigung einfallen lassen!

Wie hat dich das Marathon-Laufen verändert?
©Jens Kühn

Wie hat dich das Marathon-Laufen verändert?

Körperlich? Ich bin grundsätzlich fitter und so gut wie nie krank. Persönlich? Ich denke, ich bin im Allgemeinen geduldiger und ausdauernder geworden.

Was ist 2018 ein ganz besonderer Lauf für dich?

Ich werde am Zermatt Ultramarathon teilnehmen. Sozusagen als „Kick-off“ für hoffentlich viele folgende Trail- und Mountainmarathons.

Gibt es einen Marathon, an den du dich bisher nicht herangetraut hast?

Der Comrades Marathon in Durban. Die Distanz beträgt 90 Kilometer und die Strecke ist sehr hügelig. Aber das wird noch kommen. Ganz bestimmt!


Abschließend fragen wir uns natürlich: Hast du einen Lebenstraum, auf den du hinarbeitest? Oder hast du schon alles gesehen, was du sehen wolltest?

Wie gesagt, ein Ziel ist es, mich für den Boston Marathon zu qualifizieren. Ob ich das in diesem Jahr schaffe, ist fraglich. Aber im nächsten Jahr wird es dann etwas leichter, da ich dann in die nächste Altersklasse falle (Für Männer von 45–49 Jahren ist 2019 die Qualifikationszeit 03:25h, Anm. der Redaktion). Natürlich möchte ich die World Marathon Majors komplett laufen. Dafür fehlen mir noch London und Boston. Für Boston möchte ich mich offiziell qualifizieren und nicht den bequemen Weg über einen Reiseveranstalter wählen – das kann man machen, ich persönlich will es mir aber erkämpfen. Mein Traum wäre es außerdem, einen Extrem-Lauf wie z.B. den „Marathon des Sables“ mitzulaufen, dem 230-Kilometer-Ultramarathon durch die Sahara.

World Marathon Majors

Die World Marathon Majors sind ein Lauf-Turnier mehrerer Marathon-Veranstalter. Die beteiligten Stadt-Marathons sind die Marathons in Tokio, Boston, London, Berlin, Chicago und New York. In die Punktewertung der „Majors“ zählt außerdem, je nach Jahr, der Marathon bei den Olympischen Spielen oder der Marathon der Leichtathletik-WM.

Die Athleten können in jedem Rennen Punkte sammeln:

  • 25 für den 1. Platz
  • 16 für den 2. Platz
  • 9 für den 3. Platz
  • 4 für den 4. Platz
  • 1 für den 5. Platz

Anders als bei den meisten Ausdauer-Turnieren zählt bei den WMM allein die Platzierung (und damit die Punkte) der Läufer, nicht die gelaufene Gesamtzeit. Dabei kann jeder Läufer aber nur seine beiden besten Ergebnisse in die Wertung einbringen. Der Sieger bei den Männern und bei den Frauen erhält jeweils ein Preisgeld von 500.000 Dollar.


Jens, vielen Dank für die vielen Einblicke und deine Zeit!

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