Zu kalt auf dem Rad? 4 Tipps für Radfahren im Winter ohne Rolle

Zu kalt auf dem Rad? 4 Tipps für Radfahren im Winter ohne Rolle

Und warum Radsport im Winter gut für dein Immunsystem ist

Wenn wir an Radsport denken, haben wir tolle Sommertage vor Augen, an denen wir bei guten Straßenverhältnissen unsere Touren absolvieren. Bestenfalls auf trockenem Asphalt, ohne Nässe und Schmutz. Natürlich ist es so am schönsten. Aber Radfahren geht auch im Winter. Und zwar outdoor, also ohne Rollentrainer. In diesem Artikel geben wir dir 4 Tipps, mit denen du dich auch an kalten Tagen auf die Straße wagen kannst. Du hast die Motivation – wir die wichtigsten Infos für dich.

Ist Radfahren im Winter sinnvoll?

Unsere Antwort: Ja, aber mit Auge. Für Radfahrer birgt der Winter höhere Risiken, völlig klar. Du wirst in der Dunkelheit schlechter gesehen, Autofahrer rechnen weniger mit dir und du kannst leichter wegrutschen. Aber das heißt nicht, dass wir davon abraten würden. Denn Radfahren im Winter hat auch Vorteile. Du trainierst zum Beispiel dein Durchhaltevermögen, deine Mentalität. Wenn du es schaffst, bei Kälte und Nässe zu bestehen, wenn du also intuitiv mit deinem Rad umgehen, angemessen bremsen und lenken kannst, wird dir das bei späteren Wettkämpfen helfen. Wie sollst du auf plötzlichen Regen bei einem Wettkampf reagieren, wenn du nie bei Nässe gefahren bist? Wer im Winter fit ist, ist es im Sommer umso mehr. Und die Kälte hat noch einen großen Vorteil: Radfahren im Winter stärkt dein Immunsystem.

Durch das Wechselspiel von Hitze und Kälte reguliert sich der Blutdruck.

Bei Kälte ziehen sich Blutgefäße zusammen, bei Hitze weiten sie sich. Da dein Körper beim Radfahren im Winter beidem ausgesetzt ist, entsteht eine Zirkulation, durch die Krankheitserreger wenig Chancen haben, sich festzusetzen. Es ist etwa mit Saunabesuchen zu vergleichen, denn auch da geht es um Hitze und Kälte im Wechsel. Und dass gelegentliches Saunieren gesund ist, ist ja bekannt. Zusätzlicher Bonus auf dem Rad: An wolkenfreien Tagen gibt dir das Sonnenlicht wichtiges und im Winter rares Vitamin D, das deine Knochen stärkt und dich abhärtet. Wir sind der Meinung, dass Radfahren im Winter geht. Aber nicht kopflos: Hier sind ein paar Tipps für dich.

Tipp 1: Weniger Watt beim Radfahren im Winter

Obwohl du dein Immunsystem stärken kannst, solltest du nicht in dem Glauben losfahren, der Winter würde deinem Körper nichts ausmachen. Da er bei Kälte mehr Energie aufwenden muss, um die eigene Temperatur zu regulieren, solltest du es mit der Belastung nicht übertreiben. Achte bei starker Anstrengung mal auf deine Atmung – vermutlich atmest du intuitiv durch den Mund.

Ein Radfahrer fährt im Wald, im Hintergrund liegt Schnee.
© Manuel Rhone

Das ist normal, aber dadurch kann die kalte Luft nicht von der Nase vorgewärmt werden, bevor sie in die Lunge gelangt. Das ist der Grund für das leicht reizende Gefühl, das du vom Atmen an eiskalten Tagen wahrscheinlich kennst. Was wir sagen möchten: Radfahren im Winter hat viele Vorteile, sollte aber immer mit Augenmaß gemacht werden. Es muss nicht bei jedem Training eine Höchstleistung erreicht werden. Rücksicht auf das Wetter zu nehmen, ist beim Radsport wichtig.

Tipp 2: Reduzierter Reifendruck für mehr Halt

Radsportler, die ihr Material im Winter nicht wechseln, gehen bei jeder Fahrt ein kleines Risiko ein. Die klassischen 23-mm-Reifen sorgen bei Rennrädern zwar für geringen Rollwiderstand und hohes Tempo, viel Halt geben sie bei Nässe, Matsch und Schnee aber nicht. Ob du mit deiner aktuellen Bereifung gut durch den Winter kommst, hängt ganz davon ab, unter welchen Wetterbedingungen du fahren möchtest. Unser Tipp: Reduziere den Reifendruck im Winter auf das vom Hersteller vorgegebene Minimum. Dadurch liegt mehr Material auf der Straße auf. Natürlich wirst du etwas langsamer, aber deine Sicherheit erhöht sich – und darum geht es. Winterreifen gibt es auch fürs Rennrad. In der kalten Jahreszeit brauchst du also am besten Reifen, die dir mehr Grip bieten. Eine 28-mm-Bereifung ist – klar – breiter und auch schwerer als die Klassiker, sie rutscht aber weniger wahrscheinlich weg. Die Vielfalt der Modelle mit verschiedenen Gummimischungen ist groß. Sie müssen natürlich noch zu deiner Gabel passen. Für „normale” Fahrräder kannst du im Winter Reifen mit „Spikes” verwenden.

Ein Radfahrer hält auf einer Straße.
© Pushing Limits

Auch Gravelbikes könnten eine gute Alternative für den Winter sein. Sie sind wie eine Kombination aus Rennrad und Mountainbike. Auf das hohe Tempo, das du gewöhnt bist, musst du also kaum verzichten, durch die breitere Bereifung erhöht sich aber die Sicherheit. Asphalt, Schotterwege und Trails – mit einem Gravelbike ist vieles möglich.

Tipp 3: Beleuchtung – sehen und gesehen werden

Unabhängig von der Jahreszeit ist die größte Gefahr im Straßenverkehr für dich, nicht gesehen zu werden. Klar, wenn du im Sommer nach Feierabend noch eine große Runde drehen willst, ist es mindestens bis 21 Uhr hell. Im Winter sieht das bereits ab 16:30 Uhr anders aus. Du solltest also möglichst viel dafür tun, dass du im Winter gesehen wirst und selbst gut siehst.

Um selbst gut zu sehen:

Als Radsportler bist du automatisch viel im Straßenverkehr unterwegs. Gegenseitige Rücksichtnahme ist hier besonders gefragt. Bestimmt würdest du dir liebend gern eine superhelle Helmlampe anschaffen, mit der du alles im Blick hast. Gegenseitige Rücksichtnahme bedeutet aber auch, nur solche Beleuchtungseinrichtungen zu verwenden, die gemäß der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) erlaubt sind. Sehr helle Lampen können zur Gefahr werden, wenn sie andere Verkehrsteilnehmer blenden. In den vergangenen Jahren wurden die Vorschriften oft erneuert. Egal ob mit Akku- oder Batteriebetrieb – besonders wichtig ist die K-Nummer, an der du erkennst, dass die lichttechnische Einrichtung vom Kraftfahrtbundesamt zugelassen ist. Am besten informierst du dich bei einem Händler über deine Möglichkeiten.

Um gut gesehen zu werden:

Dein eigenes Licht trägt natürlich dazu bei, dass du gesehen wirst. Doch gerade als Radsportler im Winter solltest du deine eigene Sichtbarkeit erhöhen. Das geht einerseits mit Reflektoren oder Zusatzlichtern. Tipp: Befestige solche Gegenstände an beweglichen Objekten. Ein sich bewegender Reflektor oberhalb des Fußgelenks wird besser gesehen als klassische Katzenaugen in den Speichen. Der Markt für Beleuchtungsartikel ist riesig: Es gibt Zusatzlichter, die du am Körper tragen kannst, Helme mit Beleuchtung, reflektierende Rucksäcke und vieles mehr. Andererseits kannst du mit deiner Kleidung dafür sorgen, dass dich andere Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Mehr dazu in Tipp 4.

Tipp 4: Zwiebellook beim Radfahren im Winter

Du stehst wahrscheinlich vor der Herausforderung – angepasst an deine sportliche Fahrweise – weder zu viel noch zu wenig Kleidung zu tragen.

Die richtige Kleidung von Kopf bis Fuß

Fangen wir oben an: Unter dem Helm kannst du eine winddichte Unterziehmütze tragen. Alternativ gibt es auch Helmüberzüge in leuchtenden Farben, die ebenfalls winddicht sind. Knallige Farben und reflektierende Oberflächen sorgen dafür, dass du besser gesehen wirst. Um das Gesicht vor Kälte zu schützen, kannst du eine Maske oder ein Schlauchtuch verwenden. Manche Radportler schwören auch auf Vaseline fürs Gesicht. Achte darauf, deine Stirn zu schützen bzw. trocken zu halten, da ein Großteil der Temperaturregelung über den Kopf stattfindet.

Was die Kleidung betrifft, empfehlen wir den Zwiebellook.

Als erfahrener Radsportler weißt du, dass mehrere dünne Schichten übereinander geeigneter sind als dicke Jacken. So bleibst du während der Fahrt warm und beweglich zugleich. Gehen wir an kalten Tagen neben langbeinigen Radhosen von drei Schichten am Oberkörper aus:

  • Erste Schicht: Lange Unterwäsche aus hochwertiger Merinowolle oder Funktionsfaser auf Polyester-Basis, die einen guten Schweißtransport garantieren, damit die Haut so trocken wie möglich bleibt
  • Zweite Schicht: Dünnere Funktions-Oberteile wie z. B. Radsport-Trikots, die den Feuchtigkeitstransport ebenfalls gewährleisten
  • Dritte Schicht: Die Wetterschicht. Sie sollte gut sichtbar, wind- und wasserabweisend sein

Die Hände und Füße müssen im Winter natürlich auch geschützt werden. Zu kalte Finger wirken sich negativ auf die Sensibilität beim Bremsen aus. Zu dick dürfen Handschuhe aber auch nicht sein, um das Gefühl am Lenker nicht zu verlieren. Auch hier kann dir das Zwiebelprinzip, bestehend aus dünnen Unterziehhandschuhen und einem weiteren Paar helfen. Es gibt aber auch viele Fahrradhandschuhe, die genau die richtige Dicke für sportliche Fahrten aufweisen. Und was die Füße betrifft: Probier es mal mit Winterradschuhen. Diese „Überschuhe” sind an kalten Tagen wirklich wertvoll. Dazu empfehlen wir Thermosocken gegen eisige Füße.

Ein Radfahrer auf dem Rad zeigt seine Überziehschuhe.
© Pushing Limits

Unterm Strich: Fahr nicht einfach los. Mach dir beim Radfahren im Winter Gedanken zur aktuellen Wetterlage. Lass vielleicht etwas Luft aus deinen Reifen, überprüfe deine Beleuchtung und deine Kleidung. Viel Spaß und Erfolg bei deinen winterlichen Trainingsfahrten!

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 16.02.2021

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