Skating-Ski und Ski-Tuning

Skating-Ski und Ski-Tuning

So machen Techniker die Skating-Ski noch schneller

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 02.10.2018

Wie in jedem Leistungssport müssen auch Biathleten ihre Ausrüstung maximal optimieren. Am wichtigsten: die Ski. Die dringendste Aufgabe der Techniker ist einfach formuliert und hochkompliziert umzusetzen: Die Ski müssen perfekt gleiten. Das bedeutet, dass der Widerstand durch Tauwasser und Schnee minimiert werden muss. Dabei helfen vor allem Wachs, eine Walze und viele Tests.

Basiswissen: Die Bretter, die einem Biathleten die Welt bedeuten...

...unterscheiden sich wenig von normalen Langlaufski. Sie sind ungefähr 4,3–5 Zentimeter breit und 1,25 Kilogramm schwer. Faustregel für die Länge: Die eigene Körpergröße + 10 Zentimeter. Wichtig für Biathleten ist aber die Bindung zwischen Ski und Schuh: Der hintere Teil des Langlaufschuhes sollte sich bei jedem Schritt vom Ski lösen, dann kann der Sportler ihn besser „vorschieben“. Besonders geeignet (und für Profis unverzichtbar) sind Ski mit einer großen seitlichen Stabilität und hoher „Torsionsfestigkeit“. Das bedeutet, dass der Ski sich durch das Abstoßen am Untergrund nicht in der Längsachse „verdreht“, sondern seine Form behält. Würde sich der Abstoß-Ski beim Abstoßen verdrehen, könnte der Biathlet sich nicht mit der gesamten Kante des Ski abstoßen. Um das besser zu visualisieren: Bei einem Schlittschuh stößt sich der Läufer mit der Schlittschuh-Kante („Kufe“) ab und gleitet mit dem anderen Fuß. Der Biathlet will sich genauso mit der ganzen Kante des Ski, und nicht mit dem flachen Untergrund, abstoßen.

Der Schliff von Skating-Ski: Das Profil

Jeder Skating-Ski hat einen permanenten „Schliff“ auf der Gleitfläche, vergleichbar mit einem Reifenprofil. Diese Schliffe sind angepasst an verschiedene Strecken- und Wetterbedingungen. Die Biathleten reisen deshalb mit dem Ski-Truck an und haben alle Ski direkt am Wettkampf-Ort, um sie unter Realbedingungen zu testen. Ungefähr vier Stunden vor jedem Wettkampf macht der Biathlet einige Testläufe. Dabei testet der Profi ca fünf bis sieben verschiedene Ski-Paare auf der Loipe. Der Biathlet ist in dieser Zeit immer im direkten Austausch mit einem Techniker, der mit dem Team mitreist und die genauen Schnee- und Wetterbedingungen kennt.

Die Struktur von Skating-Ski: Ein wetterabhängiges Make-Over

Da es aber unendlich viele Wettereinflüsse und Anforderungen gibt, die Teams aber nur eine endliche Anzahl Ski transportieren können, brauchte es weitere Optimierungsoptionen. Vor Ort, direkt an der Strecke, haben die Teams die Möglichkeit, die Ski zu „walzen“ – also den Schliff zusätzlich zu verfeinern. Mit einer Walze prägen Techniker ein feines Muster auf die Gleitfläche der Ski, die „Struktur“, um sie an die tagesaktuellen Wetterbedingungen anzupassen. Große Teams haben dafür einen ganzen Truck, der als fahrbare Ski-Werkstatt fungiert.

Ein typische Walze für spezielle Strukturen auf Ski.
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Ein typische Walze für spezielle Strukturen auf Ski.

Die Faustregel: Wenn der Schnee sehr feucht ist, tragen die Walzer eine grobe Struktur auf den Schliff auf. Für trockenen, pulvrigen Schnee ist feine Struktur von Vorteil. Ziel des Walzens ist es, einen Sogeffekt zwischen Ski und Untergrund zu vermeiden. Außerdem sollen die Ski das Tauwasser möglichst effizient unter und neben den Ski leiten.

Ein Techniker trägt eine Struktur auf einen Ski auf.
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Ein Techniker trägt eine Struktur auf einen Ski auf.

„Eine grobe Vorauswahl der Ski treffen die Techniker anhand der Wetterbedingungen. Der Biathlet sucht sich dann nach dem Testing das beste Paar raus.“ Andreas Birnbacher, Ex-Profi-Biathlet und Trainer der deutschen Junioren-Nationalmannschaft

Wachs für Skating-Ski: Das letzte Finish für die Loipe

Für das Wachsen gelten ähnliche Überlegungen wie für die Struktur: Es muss an die Wetterbedingungen, vor allem an den Schnee, angepasst werden. Dafür hat der Wachstruck des DSV ca. 400 verschiedene Wachse mit auf Tour. Gerade das Wachs soll, im Gegensatz zur eingewalzten Struktur, auch Schmutz abweisen.

Das, was die Techniker im Biathlon „Wachs“ nennen ist vom typischen Haushalts-Wachs weit entfernt.

Das „Wachs“ ist eine chemisch hergestellte Fluor- und Kohlenstoffverbindung. Die Techniker tragen erst Paraffin auf den Ski auf und streuen dann ein Pulver mit dem Wachs auf das Brett. Das wird dann erhitzt und mit einem Bügeleisen auf dem Ski gründlich verteilt.

Du siehst: Die Skating-Ski der Biathleten werden hochprofessionell vorbereitet. Das kann bis zu 7 % der nötigen Energie für den Sportler sparen. Hier ist am ehesten zu sehen, wie leistungsorientiert der Biathlon-Sport ist, vom Training bis zu den technischen Details der Ausrüstung.

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