Skating-Technik im Biathlon: Alle Biathleten sind Skater

Skating-Technik im Biathlon: Alle Biathleten sind Skater

Diese 4 modernen Skating-Techniken nutzen unsere Biathleten

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 05.10.2018

Wenn Biathleten von Ski-Technik sprechen, geht es immer um „Skating“. Zwar sind im Biathlon alle Ski-Stile erlaubt, die Biathleten nutzen aber inzwischen ausschließlich das Skating. In Abgrenzung zu anderen Skitechniken und vor allem zu Langläufern in der Vergangenheit „schieben“ Biathleten ihre Bretter nicht mehr parallel vor sich her. Ähnlich wie Schlittschuhläufer oder Inlineskater stoßen sie sich mit einem Ski und ihren Stöcken vom Boden ab und gleiten auf dem anderen Brett nach vorne. Dabei wird zwischen mindestens vier verschiedenen Techniken unterschieden, die in verschiedenen Renn-Situationen genutzt werden.

Die Skating-Technik als Ski-Revolution in den 1980ern

Vor den späten 1970er-Jahren war der klassische Langlaufstil der dominierende Stil im Skisport, sowohl im Profibereich als auch im Breitensport. Dabei werden die Ski parallel zueinander „vorgeschoben“. Ab 1978 haben ambitionierte Breitensportler in Volksläufen angefangen, eine Mischung aus klassischem Langlaufstil und einem frühen Skating-Stil zu fahren, damals „Finnstep“ genannt. Pauli Siitonen, ein finnischer Langlauf-Profi, war der erste, der die Skating-Technik dann auch im Profibereich nutzte. Seit den 1980ern hat sich diese Technik mehr und mehr auch im Langlauf und im gesamten Profi-Bereich etabliert. Das war nicht ohne Komplikationen: Verschiedene Akteure der Ski-Szene forderten ein Verbot der Technik – ohne Erfolg. Da aber der Bewegungsablauf mit zwei sich ungleich bewegenden Brettern und zwei Stöcken viel Platz für Chaos lässt, gibt es 4 grundlegende Techniken, eigentlich Rhythmen, beim Skating: 2-1-Kurz, 2-1-Lang, 1-1 und eine stocklose Technik, auch „Free Skate“ genannt.

Ein Biathlet beim Skaten, dem sogenannten Schlittschuhschritt.
© ERDINGER Alkoholfrei
Ein Biathlet beim Skaten, dem sogenannten Schlittschuhschritt.

2-1-Kurz-Technik, auch Führarmtechnik oder Bergschritt genannt

Diese Technik heißt „2-1-Kurz“, weil zwei Bein-Abstöße auf nur einen Doppelstockschub kommen. Sie gilt inzwischen als die langsamste Technik. Biathleten laufen sie in Wettkämpfen trotzdem, vor allem bei stark ansteigendem Gelände. Das „Kurz“ bezeichnet die Gleitphase, die auf ansteigendem Gelände viel kürzer ist. Die Folge: Die Abstoß-Frequenz sowohl der Beine und Arme ist höher und deutlich anstrengender. Der Bein-Abstoß ist hier besonders explosiv, Profis „springen“ geradezu von einem Bein aufs andere. Trotzdem muss der Stockeinsatz parallel, also gleichzeitig und möglichst eng am Ski bleiben – was die Technik koordinativ anspruchsvoll macht. Solltest du dich an der Skating-Technik versuchen, ist 2-1-Kurz trotzdem ein guter Einstieg, mit dem du gleiten und Koordination üben kannst.

1-1-Technik, auch Eintakter oder Doppeltanz genannt

Die 1-1-er-Technik ist normalerweise schneller als die 2-1-Kurz-Technik, erfordert aber viel Muskelkraft. Auf jeden Beinabdruck folgt ein Doppelstockschub aus den Armen heraus. Diese Technik nutzen Biathleten und Langläufer vor allem in leicht ansteigendem Gelände oder im Endspurt – und ansonsten immer, wenn die Kondition dafür da ist. Bei dieser Technik arbeiten durchgehend alle Muskeln des Biathleten. Dazu kommt, dass es hier besonders wichtig ist, Körperspannung zu entwickeln. Rumpfstabilität ist deswegen ein wichtiger Faktor. Zwar brauchen Biathleten für alle Skating-Techniken unbedingt Körperspannung und Rumpfstabilität, da hier aber die Gleitphase kürzer ist, ist die Kraftübertragung und damit die Stabilität des ganzen Körpers noch entscheidender. Für Biathleten ist die 1-1-Technik im Wettkampf der Standard und die wichtigste Art, Meter zu machen. Auf leicht ansteigendem Gelände profitiert diese Technik von den kurzen, explosiven Gleitphasen.

2-1-Lang-Technik, auch Armschwungtechnik oder Pendelschritt

Bei dieser Technik ist der Doppelstockschub verzögert. Jeder zweite Beinabstoß wird von einem Stockabstoß unterstützt.

Der Rhythmus:

  • 1. Stockeinsatz und Beinabstoß links
  • 2. Aktive Gewichtsverlagerung auf das rechte Bein
  • 3. Beinabstoß rechts
  • 4. Aktive Gewichtsverlagerung auf das linke Bein
  • 5. Stockeinsatz und neuer Beinabstoß links

Die Arme bleiben während einer Gleitphase kurz hinten und schwingen dann aktiv nach vorne. Die 2-1-Lang-Technik gilt als schnellste Technik mit Einsatz der Arme. Der Grund dafür ist vor allem die lange Gleitphase, die an einem Berg nicht machbar wäre. Die 2-1-Lang-Technik ist für Biathleten vor allem auf einer langen Gerade oder einer leichten Abfahrt sinnvoll.

„Die 2-1-Lang-Technik war in meiner aktiven Zeit mein Favorit. Langes Ziehen in schnellen Geschwindigkeiten.“ Andreas Birnbacher, Ex-Profi-Biathlet und Trainer der deutschen Junioren-Nationalmannschaft

Skating-Technik ohne Stöcke, auch „Free Skate“

Mit dieser Technik nehmen Biathleten die Geschwindigkeit aus der Abfahrt mit. Sie beugen sich dabei nach vorne und legen die Stöcke an den Körper an. Die Stöcke werden bei hohen Geschwindigkeiten, also vor allem Abfahrten, nicht genutzt, da der Stockabdruck bei hohen Geschwindigkeiten nicht effizient ist. Aus der Geschwindigkeit der Abfahrt heraus wechseln die Biathleten dann in die 2-1-Langtechnik. Hier muss der Sportler ein gutes Verhältnis zwischen Gleitphase und Abdruckphase finden. Er oder sie muss beim „Free Skate“ genau merken, wann der Ski langsamer wird, um dann den nächsten Kraftimpuls zu geben und erneut abzudrücken.

„Bei allen Techniken ist wichtig, dass man den Körperschwerpunkt richtig über den gleitenden Ski verlagert. Nur so geht effizientes Laufen.“ Michael Greis, ehemaliger Profi-Biathlet

Die Skating-Technik ohne Stöcke benutzen Biathleten auch, um auf langen Distanzen die Arme kurzzeitig zu schonen.

Auf besonders steilen Abfahrten erreichen Biathleten mit der „Free Skate“-Technik über 70 km/h.
© ERDINGER Alkoholfrei
Auf besonders steilen Abfahrten erreichen Biathleten mit der „Free Skate“-Technik über 70 km/h.

Alle Techniken haben eines gemeinsam: Sie sind unglaublich anstrengend. Denn sowohl durch den „abstoßenden“ Ski, als auch durch die Stöcke wird Energie entwickelt. Für Biathleten gibt es kaum einen Muskel, der nicht zum Laufen genutzt wird. Und das mit der ruhigen Hand eines Präzisionsschützen zu kombinieren – das ist die Kunst des Biathlon. Denn die Spannung im Biathlon erzeugt die Mischung aus Skating, Schießen und den abwechslungsreichen, aufeinander aufbauenden Disziplinen.

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