Somatische Intelligenz

Somatische Intelligenz

Wenn du weißt, dass dein Körper gerade Schokolade braucht

Von Florian Angert
veröffentlicht: 19.04.2018

Eine ausgeprägter Appetit auf saure Gurken während der Schwangerschaft oder die Unlust mancher Kinder auf Rote Bete: Das ist „Somatische Intelligenz“. Wobei somatisch nichts anderes heißt als körperlich, und damit die unserem Körper eigene Intelligenz meint. Der weiß nämlich häufig schon, was du brauchst, und kommuniziert das über Lust, Abneigung oder Bekömmlichkeit von verschiedensten Nahrungsmitteln.

Bei Sportlern ist die Somatische Intelligenz häufig besonders ausgeprägt, weil sie durch die regelmäßige Arbeit mit dem eigenen Körper ein Gespür dafür entwickeln, was Muskeln und Nerven gerade brauchen. Aber wie kannst du lernen, (wieder) auf deinen Bauch zu hören?

Achtsamkeit im Alltag trainiert deine Somatische Intelligenz

Denn das ist es, was du mit der „Somatischen Intelligenz“ wieder lernst: Achtsam sein und darauf hören, was dein Körper dir sagt. Wenn dein Bauch nach mehreren Scheiben Vollkornbrot wie verrückt rumort, verträgst du Vollkorn vielleicht nicht so gut, und du kannst getrost zum Weißbrot greifen. Du sitzt nachmittags an deinem Schreibtisch, wirst müde und denkst an Kuchen? Dann braucht dein Körper einfach etwas Zucker, also Energie! Wer den ganzen Tag arbeitet und aktiv ist, der wird irgendwann schlapp, und ein wenig Zucker kann dem Abhilfe schaffen. Natürlich muss es nicht immer das große Stück New York Cheesecake sein – manchmal aber schon!

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Kreide gegen Mangelerscheinungen?

Folgendes Phänomen spielte sich in England ab: Frisch eingeschulte Kinder fingen an, die grüne Kreide an der Tafel zu essen. Das hört sich erstmal sehr unerzogen an, hatte aber einen Grund. Die Kinder hatten einen durch Diabetes Typ 1 bedingten Chrom-Mangel, und grüne Kreide wurde mit Chrom gefärbt. Sie wussten nichts von ihrem Mangel und schon gar nicht, dass die Kreide dem Abhilfe schaffen könnte. Es war ihre Somatische Intelligenz, die sie Appetit für Kreide spüren ließ.

Die eigene Ernährung reflektieren

Praktisch kann es helfen, dir nach dem Essen Fragen zu stellen: Wie fühle ich mich? Was habe ich da eigentlich gegessen, und warum? Habe ich gespürt, dass ich langsam satt war – oder habe ich einfach den Teller leer gemacht? Bin ich noch hungrig? Interessante Überlegungen sind auch, wo du deinen Hunger spürst: Im Mund, im Bauch, im Kopf?

Manchmal hilft es, ein Ernährungstagebuch zu führen – das habe ich auch schon gemacht. Es ist spannend zu sehen, was man über den Tag oder eine ganze Woche verteilt isst, weil man sich seiner Gewohnheiten bewusst wird und dann genau weiß, ob man etwas verändern sollte oder nicht.

Das Tagebuch muss aber keinesfalls streng sein, denn es soll nicht die Kontrolle, sondern die Beobachtung übernehmen.

Somatische Intelligenz kannst du mit regelmäßiger Bewegung trainieren, denn durch Sport nimmst du die Reaktionen und Signale deines Körpers automatisch bewusster wahr – du arbeitest ja mit ihm. Abhängig davon, was du vor dem Training gegessen hast, kann sich die Laufeinheit oder das Krafttraining gerade besonders gut oder besonders anstrengend und schwerfällig anfühlen. Hier gilt es wieder zu reflektieren: Lag es an bestimmten Nahrungsmitteln oder an der Menge, die du vorher zu dir genommen hast? War es zu viel oder braucht dein Körper mehr, um die Trainingseinheit zu schaffen? Und war es das richtige?

Essen funktioniert im Sport wie ein Motor: Mit gutem Sprit wirst du schnell, mit schlechtem Sprit nicht. Ich weiß mittlerweile sehr genau, welche Lebensmittel mir die nötige Energie für die Trainingseinheit liefern und gleichzeitig bekömmlich sind.

Besonders Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Yoga eignen sich prima, um den eigenen Körper wieder lesen zu lernen. Häufig ändern sich die Bedürfnisse des Körpers mit dem regelmäßigen Training dann wie von selbst: Viele Sportler bekommen vermehrt Appetit auf Obst und Gemüse und auf proteinhaltige Lebensmittel. Dein Körper wird dir sagen, was er braucht – und wann.

Appetit, Hunger und Sättigungsgefühl: Was, wann – und wie viel?

Mit Appetit signalisiert dir dein Körper, was er braucht, mit Hunger sagt er dir, DASS er etwas braucht – also den Zeitpunkt. Dieses „wann“ ist ein ebenso wichtiger Bestandteil der Somatischen Intelligenz. Während des Essens merkst du manchmal gar nicht, dass du schon satt bist. Vor allem wenn du Abends vor dem Bildschirm sitzt ist es schwierig, darauf zu achten und zu bemerken, wann du satt bist. Versuche, in Ruhe zu essen und dem Sättigungsgefühl eine Chance zu geben. Dein Bauchgefühl wird es dir danken!

Ich halte aber nichts davon, sich krampfhaft etwas zu verkneifen, nur weil man glaubt, dadurch mehr leisten zu können. Dann macht Essen und Sport irgendwann keinen Spaß mehr. Es geht immer um das richtige Maß. Jeder hat ein eigenes Gefühl für Hunger und für Appetit – der eine braucht zwischendurch einfach Schokolade, die andere mag sie überhaupt nicht. So wie jeder einen unterschiedlichen Geschmack hat, muss jeder auch ausprobieren, was ihm oder ihr gut tut.

Natürlich ist auch Somatische Intelligenz nicht das Non-Plus-Ultra für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Zum Beispiel können in deinem Körper nur schwer Bedürfnisse nach Geschmäckern entstehen, die du noch nicht probiert hast. Wenn du noch nie eine Papaya gegessen hast, kann dein Körper nicht nach Papaya verlangen. Vielleicht gefällt sie deinem Bauch so gut, dass du nicht genug davon bekommst. Bis es dann irgendwann doch genug ist und es zur Abwechslung mal wieder saure Gurken sein müssen.

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