Sport-Tracker und Co. im Ausdauersport

Sport-Tracker und Co. im Ausdauersport

Trends, Zukunftsaussichten und Must-haves für deine sportliche Leistung

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 19.08.2019

Kommt dir das bekannt vor? Bevor es zum Training geht, wirfst du noch einen kurzen Kontrollblick in den Plan sowie auf die Akkuanzeige deines Sport-Trackers. Eigentlich weißt du ja ganz genau, was zu tun ist und dass du deine Uhr, dein Armband oder welchen Sport-Tracker du auch benutzt, gestern erst aufgeladen hast, aber nur nochmal zur Sicherheit ;) Unerträglich das Gefühl, wenn die Batterieanzeige aufleuchtet und die Aktivität nicht gänzlich getrackt wird. Aber alles im grünen Bereich. Schnell noch das Trainingsprogramm auf die Uhr laden, dann kann es auch schon losgehen. Laufschuhe schnüren, Kopfhörer ins Ohr – locker antraben. Nach einem Kilometer eine leichte Vibration am Handgelenk: Pace: 5:20, Herzfrequenz 148. Alles im Soll. So langsam kommst du richtig in den Flow. 8 von 10 km sind inzwischen schon geschafft. Zeit für ein Selfie. Schließlich willst du im Anschluss deine Trainingseinheit auf Strava und Instagram teilen und zahlreiche „Likes“ einfahren. Ein Foto vom Lauf daher ein Muss. Auch die letzten 2 km sind dann kein Problem mehr und du kannst die Aktivität zufrieden beenden. Sport Tracking – check!

Once upon a time – als wir noch ohne Sport-Tracker unsere Leistung gesteigert haben

Tatsächlich ist es noch gar nicht so lange her, dass die Triathlon-Welle nach Europa schwappte. Das war Anfang der 80er Jahre. Also vor nicht mal 40 Jahren. Seitdem hat sich allerdings so einiges getan. Der Ausdauersport an sich ist zum wahren Massenphänomen geworden. Und auch der technologische Wandel hat Einzug gehalten. Neben den Trainingsmethoden hat sich dadurch zudem in der Ästhetik vieles verändert. Kannte man Sport-BHs damals nur vom Hörensagen, sind sie heute in allen möglichen Farben und Passformen erhältlich. Natürlich mit einem elektronischen Chip versehen, der während des Tragens ständig die Herzfrequenz misst. Ein Training mit Stoppuhr auf der 400-Meter-Bahn war derzeit wohl das höchste der Gefühle. Anders als heute konnte man tatsächlich nur die Zeit erfassen, allerdings war es eben auch die einzige Möglichkeit seinen Leistungsstand überhaupt zu überprüfen. Heute ist ein Training ohne technische Gadgets wie Sport-Tracker nahezu unvorstellbar geworden. Und auch in Zukunft werden smarte Produkte wohl den Sport und obendrein auch zunehmend den Alltag bestimmen. Die Digitalisierung macht vieles einfacher – hat aber auch ihre Schattenseiten.

Once upon a time
@ POLAR Electro GmbH

Sport-Tracker und die Welt der Daten

Ist es nicht unglaublich, auf wie vielen Portalen wir unterwegs sind? Sicher bist auch du auf Facebook, Instagram, Strava, time2tri, PolarFlow, WhatsApp, Zwift und wie sie noch alle heißen. Die Vernetzung schreitet Tag für Tag voran. Und daraus entstehen wiederum immer neue Wege der Kommunikation. Ein Austausch unter Athleten, mit seinem Trainer oder den Fans. Sei es ein bloßer „Like“, der Kommentar „Wie liefen deine Intervalle?“ oder das Teilen eines komplexen Trainingsplans für den Saisonhöhepunkt. Alles ist möglich.

Darüber hinaus kannst du über derartige Plattformen sogar deine Trainingsdaten übermitteln und auswerten (lassen). Heutzutage absoluter Standard bei Sport-Trackern und Fitnessuhren. Dein Trainer muss also nicht mehr vor Ort sein, um zu sehen, wie du performt hast. Zeit, Geschwindigkeit, Pace, Herzfrequenz, Wattwerte, Trainingsbereich, Kalorien, Schritte – je nach Gadget all inklusive. Und (für ausgewählte Personen) online einsehbar. Leistungen werden vergleichbar, dokumentieren den Fortschritt und motivieren uns zu Höchstleistungen. Wird dadurch ein Trainer nicht sogar gänzlich überflüssig? Sport-Tracker werden immer kleiner, mobiler, universeller (eingewebt in die Sportkleidung und kaum noch spürbar). Insbesondere werden sie intelligenter und schlagen Trainingseinheiten und Ernährungstipps selbst vor. Individuell und perfekt abgestimmt auf deine aufgezeichneten bzw. eingetragenen Daten (wie Mahlzeiten) und physiologischen Werte. Eine effektive Gestaltung der Trainingseinheiten sowie eine optimale Balance aus Erholung und Belastung sind folglich vorprogrammiert. Niemand kennt dich schließlich besser als dein eigener Körper. Noch

Das Trainingsangebot weitet sich ständig aus. Neben dem klassischen Fitnesstrainer hast du heutzutage bereits die Möglichkeit auf (kostenlose) Online-Trainingsangebote wie sommerfit oder mobile Trainings-Apps zurückzugreifen. Zudem sind neue Trainings- und Wettkampfformen entstanden. Sportler treten online mit Virtual-Reality-Brillen beispielsweise auf Zwift gegeneinander an und können orts- und zeitunabhängig agieren. Eine richtige Evolution des Radfahrens auf der Rolle bzw. dem Training auf dem Laufband und besonders im Winter ein riesen Benefit. So schön die aufgezeigten Vorteile sind, der technologische Wandel ist nicht nur Sonnenschein. Sport-Tracker können immer mehr, zeichnen immer mehr auf und werden deshalb leider auch in der Bedienung immer komplexer. Daneben ist der Datenschutz noch immer ein sehr heikles Thema. Die Geräte erfassen ständig Trainingsdaten und physiologische Werte und die Verarbeitung der Daten erfolgt in Echtzeit. Doch wohin gehen die Daten eigentlich? Das Risiko, dass du zum gläsernen Sportler wirst, schwingt immer mit, eine 100%ige Sicherheit auf den Schutz deiner Daten gibt es nicht.

Sport-Tracker und die Welt der Daten
@ POLAR Electro GmbH

Social Media verändert das Berufsbild der Profisportler

Ehrlich gesagt wollen wir das ja auch gar nicht. Zu gerne teilen wir unsere Fortschritte und Erfolge mit unseren „Freunden“ in den sozialen Netzwerken. Ein Effekt der Ästhetisierung des Sports. Oder umgekehrt? Jedenfalls gibt es inzwischen Sportprodukte in allen möglichen Designs. Hauptsache man sieht gut aus, soweit das beim schweißtreibenden Training eben möglich ist. Die visuelle und mediale Darstellung hat einen hohen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft eingenommen. Das Teilen von Fotos und die Präsenz auf Social Media ist inzwischen wie das Schnüren der Laufschuhe. Routine.

Dieser Trend ist auch bei den Profisportlern festzustellen. Das Berufsbild hat sich stark gewandelt. Neben dem Sport sollen die Athleten nun Content posten und mit den Fans in Interaktion treten. Profisportler bleiben zwar Profisportler, sie müssen sich allerdings auch mit Social Media beschäftigen. Behalte angesichts der Entwicklung daher auch immer im Hinterkopf: Ein Trainer nimmt auch Verantwortung vom Athleten. Dadurch kann sich der Sportler mehr und besser auf den Sport (und die Gadgets) konzentrieren und hat somit wiederum mehr Zeit, um mit den sozialen Kontakten (egal ob via Social Media oder Real Life) in Verbindung zu treten. Auch wenn die Technik künftig Trainerfunktionen übernehmen wird, sollte man sich daher wohl überlegen, ob sie einen Trainer wirklich vollends ersetzen kann. Deinem Sport-Tracker wirst du beim Sieg wohl kaum um den Hals fallen?! Und machen diese Freudemomente und der gemeinsame Weg zum Höhepunkt nicht den Sport aus? Vielleicht ist es Zeit, die Arbeit seines Trainers noch mehr zu würdigen, schließlich hat auch er mit der Zunahme an auszuwertenden Daten und der steigenden Ambitionen allerhand zu tun.

Pro und Contra des technologischen Wandels

Pro des technologischen Wandels

  • Kommunikation und Trainingsplanung wird über Plattformen wie time2tri erleichtert
  • Orts- und zeitunabhängiges Training möglich (Vorteil für Trainer, da er zeitgleich mehrere Athleten betreuen kann + Vorteil für Sportler bzgl. Training über VR)
  • Ausgeweitetes Trainingsangebot in Form von Apps + online
  • Einfache Datenaufzeichnung über Wearables und technische Gadgets
  • Selbstkontrolle und Dokumentation des Fortschritts
  • Leistungen werden vergleichbar und motivieren zu Höchstleistungen
  • Effektive Gestaltung von Trainingseinheiten möglich

Contra des technologischen Wandels

  • Sport wird endlos analysiert
  • Herausforderung für Trainer, die Vielzahl an Daten auszuwerten
  • Klassischer Trainer wird (zukünftig?) ersetzt
  • Bedienung der Geräte komplex
  • Werte müssen auch richtig interpretiert werden (Messfehler Uhr etc.); auch Technik kann versagen à starke Abhängigkeit
  • Datenschutz
  • Psychische Belastung: Druck, da man die vorgegebenen Ziele erreichen möchte / man will den medialen Erwartungen gerecht werden
  • Erhöhte Anforderungen an Sportler (nicht mehr die Leistung alleine zählt, auch die Interaktion auf den sozialen Kanälen wird zunehmend wichtig)

Ob du den technologischen Wandel nun gut findest oder auch nicht. Fakt ist, dass du trotz allem deinen Körper noch immer selbst trainieren musst. Es gibt Sportler, die sich gegen Trends wehren bzw. sie einfach nicht nutzen. Also einfach auf ihr eigenes Körpergefühl hören und den Spaß am Sport in den Vordergrund stellen. Wie du es handhabst, liegt ganz bei dir. Auch neue Trends können immer wieder für Abwechslung und Spaß sorgen. Welche „Must-Haves“ hättest du ausgewählt?

Patrick Lange über den technologischen Wandel

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