Viel Wind um Hawaii

Viel Wind um Hawaii

Auf die Aerodynamik kommt’s an

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 13.09.2018

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind … kann auf Hawaii auch mal ganz schön launisch sein. Der Grund: die topographischen Gegebenheiten auf der Insel, die eine genaue Vorhersage schwierig machen. Yi-Leng Chen, Professor für Meteorologie an der Universität Hawaii, erklärt:

„Auch wenn der Wind relativ konstant weht, gibt es starke Schwankungen. Das liegt an den Höhen- und Temperaturunterschieden zwischen dem Ozean und dem Festland.“ Yi-Leng Chen

Das heißt: Der Wind dreht urplötzlich richtig auf, schwächt sich ab und gibt wieder Vollgas. Eine echte Herausforderung für Patrick Lange und allen anderen Athleten, gerade für die 180 Kilometer auf dem Fahrrad.

Material + Haltung + Kraft = Optimale Geschwindigkeit

Wie geht man damit um? Das Wichtigste ist das richtige Zusammenspiel von Material, Körperposition und Ausdauer. Die Windverhältnisse sind nicht zu ändern, aber man kann sich auf sie vorbereiten. Wir haben uns bei Jean-Paul Ballard, CEO und technischer Direktor von Laufradspezialist Swiss Side, erkundigt, worauf Triathleten auf Hawaii achten müssen.

Laufräder - Vorderreifen
© ERDINGER Alkoholfrei

Laufräder: Um die Windverhältnisse auszugleichen, muss der Vorderreifen sehr stabil sein. Die richtige Felge ist hier das A und O. Die zu finden, ist ein echter Balanceakt. Zwar gilt: Je höher die Felge, desto aerodynamischer ist das Laufrad bei hohen Geschwindigkeiten. Allerdings darf das Felgenprofil nicht zu hoch sein, weil die Stabilität bei Seitenwind leidet und das Rad mehr wiegt. Zu niedrige Felgen wiederum erhöhen den Windwiderstand und verschlechtern die Aerodynamik.

Auch beim Hinterrad ist das Felgenprofil entscheidend. Ein Scheibenrad wäre perfekt für die bestmögliche Aerodynamik, ist beim Ironman Hawaii jedoch verboten. Grund: Die teilweise extremen Windverhältnisse sind zu gefährlich und ein Scheibenrad könnte die Stabilität des Rades zu stark beeinträchtigen. Die Alternative ist eine Hochprofilfelge, die mehr Stabilität gibt.

Laufräder - Rahmen
© ERDINGER Alkoholfrei

Anzug, Helm & Rahmen: Ein enganliegender Anzug verringert den Windwiderstand enorm. Ein spezieller Aero-Helm hilft, schneller zu sein. Durch die runde Form wird der Wind an allen Seiten des Helmes auf kürzestem Weg abgeleitet. Zusätzlich spielt der Fahrradrahmen eine wichtige Rolle. Ein spezieller Aero-Rahmen, der eckig statt rund ist, verringert die Windangriffsfläche. So kann der Athlet auf Dauer bis zu 20 Watt an Kraft sparen! Zwar ist der Rahmen vergleichsweise schwer, aber der Athlet gewinnt dank der Windschnittigkeit des Rades auf Dauer an Geschwindigkeit.

Laufräder - Haltung
© ERDINGER Alkoholfrei

Haltung: Die viel beschworene perfekte Sitzposition bietet dem Wind wenig Angriffsfläche. Im Klartext: Der Athlet macht sich so flach wie möglich - gleichzeitig muss er möglichst bequem sitzen, um die 180 Kilometer durchzuhalten. Jedes Aufstehen auf dem Fahrrad, jedes Wechseln der Sitzposition, einfach jedes Verändern der optimalen Haltung reduziert das Tempo und bedeuten wertvolle Zeiteinbußen.

Erfolgsrezept Aerodynamik

„Die Aerodynamik ist auf Kona der Schlüssel zum Gewinn.“ Jean-Paul Ballard

Wind und Fahrer verbindet auf Hawaii eine Hassliebe. Wenn man weiß, mit ihm umzugehen, kann er einen zum Sieg tragen. Wenn nicht, bringt er einen zum Verzweifeln. Der Grund ist ein Phänomen, das auf dem windanfälligen Kurs in Hawaii häufig auftritt: der Segeleffekt. Dabei kommt der Wind von schräg hinten und schiebt das Fahrrad quasi an. Mit der richtigen Radabstimmung und Technik kann der Athlet ordentlich Kraft sparen – indem er die Schübe geschickt ausnutzt. Dann ist es sogar möglich, dass er für die gleiche Geschwindigkeit weniger Kraft aufwenden muss als auf anderen Strecken.

Ernstfall simulieren

Für das perfekt auf Kona abgestimmte Rennrad simulieren Jean-Paul und sein Team bei Swiss Side verschiedene Windverhältnisse und untersuchen ihre Auswirkungen. Anschließend entwickeln sie das optimale Setup für den jeweiligen Sportler. Dadurch können sie diese ideal bei der Auswahl des Equipments beraten. Das Fazit aller Simulationen lautet: Investiere lieber in mehr Gewicht bei Rahmen und Rädern für eine optimierte Aerodynamik. Denn die Aerodynamik ist der alles entscheidende Faktor auf Hawaii.

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