Waldbaden: der Spaziergang, der dich gesund und glücklich macht

Waldbaden: der Spaziergang, der dich gesund und glücklich macht

Ein Trend aus Japan kommt nach Deutschland: Wir erklären dir, wie Waldbaden geht

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 09.10.2019

Ein Waldspaziergang ist meist mit vielen guten Erinnerungen verbunden: an den ersten kühlen, noch sonnigen Herbsttag, an die Zeit, als man als Kind durch das Laub gehüpft ist, oder an ein Bild wie dieses: Hand in Hand verliebt auf der Lichtung zu stehen. Wälder sind magische Orte. Und nicht nur das: Wald kann uns auch gesund und glücklich machen. Klingt nach Hokuspokus? Wie etwas so Einfaches wie ein Spaziergang in der Natur einen solchen Effekt haben kann, erfährst du hier.

Waldbaden: Ein Gesundheitstrend aus Japan erobert die Welt

Waldbaden bedeutet aufmerksam und entspannt durch den Wald zu spazieren. Dieser Trend hat seine Ursprünge in Japan – zumindest in dieser Begrifflichkeit. Dort heißt es Shinrin-Yoku und bedeutet etwa: ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen. Das beschreibt schon ganz gut, inwieweit es sich von einem sonntäglichen Familienspaziergang unterscheidet. Beim Waldbaden werden alle Sinne geschärft, um den Wald voll und ganz wahrzunehmen. Waldbadende werden angehalten, Bäume und Äste anzufassen, langsam zu schlendern, genau hinzuhören und sich Zeit zu nehmen. Natürlich kannst du auch die Natur aktiver erleben, zum Beispiel beim Wandern oder Klettern. Aber beim Waldbaden geht es nicht um Fitness, sondern um Entschleunigung und Achtsamkeit. Denn auch das braucht dein Körper (und dein Geist) regelmäßig.

Waldbaden als natürliche Medizin:

In Japan gehört Waldbaden bereits zur präventiven Gesundheitsvorsorge und gilt als natürliche Medizin. 2006 wurde an einigen Universitäten die Waldmedizin als Fach etabliert: Hier werden die Zusammenhänge zwischen der Gesundheit und dem Aufenthalt im Wald untersucht und erforscht.

Wie ein Bad im Wald funktioniert

Durch den Wald spazieren und ihn wahrnehmen – das ist Waldbaden kurz erklärt. Klingt erst mal recht simpel. Wirklich bewusstes Wahrnehmen verlangt dir aber doch einiges ab, denn wir sind es meist nicht gewohnt, uns auf die feinen Geräusche der Blätter oder die sachten Bewegungen der Tiere um uns herum zu konzentrieren. Wir haben ein paar Hilfestellungen, die dir bei deinem ersten „Bad im Wald“ helfen können.

Vorweg: Es gibt keine Regeln beim Waldbaden. Es funktioniert nach deinem Tempo und Gefühl, so schnell oder langsam, aktiv oder ruhig, wie du magst. Nimm dir aber ausreichend Zeit, um die drei Stunden dürfen es ruhig sein. Das kann Überwindung kosten – wenn der gewohnte Spaziergang normalerweise nicht länger als eine Stunde dauert. Aber genau das ist der Punkt: sich einlassen auf die Entschleunigung. Denn es können schon mal ein paar Stunden vergehen, ehe man Arbeit, Gedanken oder Stress hinter sich gelassen hat und wirklich ins Waldbad ein- und zwischen den Bäumen abtauchen kann. Genieße diese Zeit, sie ist deine! Trödele herum, schlendere auf Trampelpfaden, mache Pause, suche Pilze, berühre die Rinde der Bäume, horche, rieche, schaue dich um – mache einfach das, wonach dir ist. Einzig dein Handy darf bei einem Bad im Wald ruhig aus bleiben.

Hören

Eine Übung, um das Gehör zu schärfen:

  • 1. Suche dir einen Platz, setze oder stelle dich hin und schließe die Augen.
  • 2. Konzentriere dich mehrere Minuten auf das Geräusch, das dir am weitesten entfernt zu sein scheint.
  • 3. Nun konzentriere dich auf ein Geräusch, das ganz in deiner Nähe ist.
  • 4. Versuche beide Geräusche gleichzeitig wahrzunehmen. Verbinden sie sich? Interagieren sie? Ergeben sie einen gemeinsamen Klang?

Sehen

Eine Übung, um den Blick zu schärfen:

  • 1. Bleibe aufmerksam und schaue in jede Richtung. Auch wenn du auf dem Boden nach Wurzeln oder anderen Stolperfallen Ausschau hältst, löse den Blick zwischendurch und lasse ihn schweifen.
  • 2. Schaue in die Ferne, blicke so weit du kannst, spüre, wie sich deine Pupille darauf einstellt.
  • 3. Such dir etwas Kleines und entdecke es: Schau dir die Ameisen an, die Adern der Blätter, die Art, wie das Licht durch die Baumkronen bricht.

Gesund durch die Natur

Eine heute berühmte Studie aus dem Jahr 1984 hat ergeben, dass Patienten, die nach einer OP ins Grüne schauten, schneller genesen sind als solche, die durch ihr Fenster nur eine Mauer sahen. Und nicht nur das: Auch nur ein Bild eines Waldes an der Wand ließ Patienten schneller gesund werden. Die gleichen Patienten brauchten außerdem weniger Schmerzmittel während ihres Aufenthalts.

Dieses klare, gesunde Gefühl nach einem Waldspaziergang trügt dich also nicht: Der Wald macht tatsächlich gesund. Selbst nach nur wenigen Stunden im Grünen ist dein Immunsystem gestärkt, denn es werden vermehrt natürliche Killerzellen gebildet. Sie sind deine eigene Armee und natürlicher Bestandteil deines Körpers, die sich um kranke oder beschädigte Zellen kümmern. Außerdem sinken während des Waldbadens Blutdruck und Stresshormone im Körper. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Wald sowie die deutlich geringere Zahl an Schadstoffen im Vergleich zur Stadt entlasten auch deine Atemwege – und sogar deine Haut.

„Ich ging in die Wälder, weil ich bewusst leben wollte. Ich wollte das Dasein auskosten. Ich wollte das Mark des Lebens einsaugen.“ Henry David Thoreau, Schriftsteller

Waldbaden: Das Glück liegt im Einfachen

Waldspaziergänge rufen in vielen Menschen positive Erinnerungen wach: Wie man als Kind auf Bäume kletterte oder die klare Luft auf dem Spaziergang an einem eisigen Wintertag einsaugte. Das allein kann schon wie eine Pause im Alltag wirken. Und ein Bad im Wald ist perfekt, um zu deiner Work-Life-Balance beizutragen, denn es bildet den idealen Gegenpol zum Berufsalltag in der Stadt oder dem Wettkampfgedanken, den du vielleicht im Sport verfolgst. Selbst ein kurzer Spaziergang hebt schon die Stimmung und stärkt das Selbstwertgefühl.

Die moderate Bewegung eines Spaziergangs treibt dir zwar nicht die Schweißperlen auf die Stirn. Dennoch werden – wie beim Sport – auch hier Glückshormone wie Serotonin freigesetzt. Und auch, wenn es nicht (nur) um Fitness geht: Wenn dir während des Waldbadens nach einem kurzen Sprint oder Luftsprüngen ist, nur zu! Denn Serotonin macht zufrieden und ausgeglichen, und es wird umso stärker ausgeschüttet, je mehr du dich bewegst. Und schon Philosophen vor Hunderten von Jahren sind spaziert – um ihr Denken ins Fließen zu bringen. Beim Gehen kannst du deinen Gedanken freien Lauf lassen, und die frische Luft macht deinen Kopf klarer. Das entspannt, macht glücklich – und schafft Platz für neue Ideen!

Ein Waldbademeister – was ist denn das?

Auch in Deutschland werden mittlerweile immer mehr Kurse für Waldbäder angeboten. Wenn du dein erstes Waldbad also nicht allein nehmen möchtest, informiere dich im Internet über Waldbadekurse in deiner Nähe. Ein Waldebademeister leitet das Bad an, es dauert meist um die drei Stunden und wird in der Gruppe genommen.

Kein Wald in der Nähe? Waldbaden geht auch im Park!

Vielleicht hast du nicht genug Zeit, um bis in den nächsten Wald zu fahren, und möchtest trotzdem etwas waldbaden. Forscher haben herausgefunden, dass ein achtsamer Gang durch den Park ähnliche Effekte haben kann wie ein Bad im Wald. Es ist nur wichtig, sich Zeit zu nehmen, zur Ruhe zu kommen und die Natur um sich herum mit allen Sinnen wahrzunehmen. Dann kannst du dich ähnlich erfrischt und entspannt fühlen wie nach einem Bad im Wald.

Waldbaden und Vitamin D tanken

Besonders wohltuend ist es, wenn während des Waldbades die Sonne scheint: Dein Vitamin-D-Speicher wird ordentlich aufgefüllt! Im Winter zahlt es sich aus, lieber keinen oder einen nur sehr niedrigen Lichtschutzfaktor zu verwenden, da dann die Sonnenstunden ohnehin schon limitiert sind und ausgenutzt werden müssen.

Waldbaden hat viele gesundheitliche Vorteile, es bereitet Freude und dich macht es glücklicher! Nimm dir diese Zeit ganz bewusst nur für dich – auch wenn drei Stunden erst mal lang erscheinen. Einfach Straßenschuhe anziehen, Handy ausschalten und drauflos schlendern. Es lohnt sich!

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