Wettkampfvorbereitung – Der Sprung ins kalte Wasser

Wettkampfvorbereitung – Der Sprung ins kalte Wasser

Zwei Athleten über die letzten Momente vor dem Start: „Man muss lernen Nervosität als positives Zeichen zu sehen“

Nach Monaten des Trainings ist es soweit: Der Wettkampf ist nur noch wenige Stunden entfernt. Und weil Wettkämpfe immer auch eine mentale Herausforderung sind, geht den Athleten vorher einiges durch den Kopf. Ein Teil der Wettkampfvorbereitung findet somit auch am Tag des Events statt. Triathlet Andreas Raelert erzählt, wie er die letzten Stunden erlebt und verbringt. Kann man im letzten Moment noch an seiner Leistung feilen?

Stellt dir den Wettkampftag vor: Wie beginnt er, was tust du, bevor es losgeht?

An einem Wettkampftag versuche ich Hektik zu vermeiden. Das beginnt schon bei der Anfahrt zum Rennen, die ich immer frühzeitig antrete. Das Frühstück und die Uhrzeit des Aufstehens hängen von der Startzeit ab, bei einem Ironman ist das immer sehr früh. Das heißt gegen 03:30 Uhr oder 4 Uhr stehe ich auf. Nach dem Aufstehen beginnen dann die gewohnten Abläufe: Frühstücken, Losfahren und das Checken des Materials. Dann noch Aufwärmen, ein bisschen „In-den-Körper-hineinhören“ und los geht’s!


Wie sieht dein Frühstück aus, was nimmst du vor dem Start zu dir?

Das kommt auf das Rennen an und wann der Start ist. Meistens ist es für mich gar nicht so einfach, morgens ausreichend zu essen. Viele Athleten setzen auf ein oder zwei Brote, beispielsweise mit Honig, etwas leicht Verdauliches. Dazu später eine Banane, eine halbe Stunde vor dem Start einen Riegel und kurz vor dem Start noch einmal ein Gel. Ich versuche das auch, allerdings gelingt mir das nicht immer genau nach Vorgabe. Den Kaffee als Muntermacher habe ich allerdings noch nie verpasst.


Wie wärmst du dich auf?

Vor einem Ironman ist es ein kurzes Aufwärmprogramm. Je kürzer das Rennen ist, desto umfangreicher ist das „Pre-Race-Workout“. Gerade bei den kurzen Rennen muss die Betriebstemperatur vor dem Start schon hoch sein, alleine um Verletzungen zu vermeiden. Um den Körper in Schwung zu bekommen, jogge ich ein wenig vor dem Start eines Langstreckentriathlons und mache kurze Tempobelastungen, die den Körper eingewöhnen. Aber insgesamt ist das nicht wirklich viel. Wichtiger ist für mich das Einschwimmen, denn auf dem Schwimmkurs ist die Belastung von Beginn an sehr hoch. Vor dem Startschuss nehme ich das Wettkampftempo beim Einschwimmen einmal annähernd auf, wenn auch nur kurz.


Andreas Raelert kurz vor dem Start
©Michael Rauschendorfer
Andreas Raelert kurz vor dem Start


Brauchst du eher Ruhe oder Menschen, also Familie, Freunde, Trainer, um dich herum?

Ich bin eher der Typ, der sich dann ein wenig zurückzieht. Mein Umfeld weiß das, und entsprechend weiß dieser vertraute Kreis auch sehr gut, wie er mit mir am besten vor dem Start umgeht. Es tut sehr gut, vertraute Gesichter um sich zu wissen vor einem wichtigen Rennen. Es ist aber auch sehr wichtig, sich zu konzentrieren und die inneren Abläufe durchzuspielen.


Kann man am Wettkampftag noch irgendwas ändern oder besser machen als im Training?

Man sollte vor allem versuchen schneller zu sein als im Training. Es ist für jeden Athleten unheimlich schwer, am Tag X alles abzurufen, was im Körper drinsteckt, was antrainiert wurde. Aber darauf kommt es eben an. Ich denke, dass ein paar Tage vor dem Rennen schon feststeht, ob man in einer richtig guten Verfassung ist oder nicht.


Woran denkst du kurz vor dem Start?

Das ist schwer zu fassen. An viel und gleichzeitig an ganz wenig. Ich bin fokussiert, denke an den Tag, der vor mir liegt, an die Strecke, das Rennen, aber auch an meine Liebsten. Und dann wieder an die Hoffnungen darauf, dass im Rennen alles passt. Mich beschäftigt auch, ob ich denn wirklich alles passend und richtig in der Wechselzone platziert habe. Es ist ein ziemlicher Gefühlsmix. Die Minuten vor dem Start erlebt wirklich jeder Starter als sehr intensive Mischung. Bis der Startschuss fällt, ist es eine kleine Achterbahnfahrt mit Anspannung und Vorfreude. Und dann löst sich alles mit einem Mal auf und ich stecke voll im Rennen.


Welche Tipps könntest du anderen Sportlern für den Umgang mit Nervosität geben?

Klingt blöd, ist aber so: Cool bleiben! Mir zum Beispiel hilft Routine. Außerdem geht es ja den meisten so. Das ist auch beruhigend. Und für mich gehört Nervosität sowieso dazu. Ohne die ganze Aufregung würde mir persönlich was fehlen. Letztlich versuche ich die Nervosität auch positiv zu sehen.


Ist Nervosität immer da oder hängt das vom Wettkampf ab?

Natürlich hängt der Grad der Nervosität sehr vom Wettkampf ab. Aber ich glaube, dass es keinen Sportler gibt, der ohne Nervosität an die Startlinie geht.


Gehst du in Gedanken nochmal den Rennablauf und die Strecke durch oder lässt du das auf dich zukommen?

Die ganze Strecke nicht, aber für mich ist Fokussierung gerade bei einem Ironman sehr wichtig. Ich weiß, dass unterwegs alles passieren kann. Ich setze mich im Vorfeld damit auseinander, was wann und wo bevorsteht. Das rufe ich mir auch während des Rennens ins Gedächtnis.


Hast du vorab eine Strategie im Kopf, wie du die Einzeldisziplinen erfolgreich meisterst?

Mancher Radrennfahrer klebt sich ja bei großen Etappenfahrten die Profile der wichtigen Anstiege auf den Lenker, um sich darauf einzustellen. Soweit gehe nicht. Ich denke aber, dass jeder einen solchen Wettkampf strategisch angeht, ob bewusst oder unterbewusst. Allein in energetischer Hinsicht ist das schon wichtig.


Achtest du vorab auf andere Teilnehmer oder bist du ganz auf dich selbst fokussiert?

Nein, da bin ich ganz bei mir. Ich schaue aber beim Schwimmstart, wo und bei wem ich mich positioniere, um eine für mich möglichst gute Position im Feld zu bekommen. Genau dann gesellt sich zur Vorfreude und Nervosität auch pure Euphorie und ich kann es kaum erwarten. Ich bin dann voll konzentriert und kann fast meinen Herzschlag hören.


Was passiert direkt nach dem Start im Kopf?

In einem großen Rennen passiert bei mir in den ersten Sekunden nichts im Kopf. Erstmal nur Schwimmen. Dann wird es ein bisschen unruhig und ich schaue, dass ich auch für mich passend positioniert bin. Danach beginnt die „Rennroutine“.


Herausforderung, Traum, Persönlichkeitsbildung, harte Arbeit und Euphorie – das alles ist Triathlon. Mit sich und dem eigenen Körper arbeiten, ein Ziel erreichen – für viele ein Glücksgefühl. Die Athleten des Teams ERDINGER Alkoholfrei haben ihr geballtes Wissen auf unserer Themenseite Triathlon gesammelt.

Von ERDINGER Alkoholfrei
veröffentlicht: 07.06.2018

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